HIPPOLINI Ausbildungsgruppe mit acht Frauen vor einem Stallgebäude. Sechs Absolventinnen präsentieren ihre HIPPOLINI Lehrkraft-Zertifikate und Qualitätsschilder.

Reitpädagogik und Reitunterricht – was ist ein Zertifikat wirklich wert?

Teil 2 der Serie „Was macht eine gute Ausbildung aus?“

Wer eine Ausbildung in der Reitpädagogik oder im Reitunterricht absolviert, investiert Zeit und Geld. Am Ende steht meist ein Zertifikat. Doch was sagt es tatsächlich über die erworbenen Fähigkeiten aus?

Im ersten Teil unserer Blogserie „Was macht eine gute Ausbildung aus?“ haben wir uns mit den Möglichkeiten und Grenzen von Online-Ausbildungen beschäftigt. Dabei wurde deutlich: Theoretisches Wissen kann online erlangt werden, doch für die eigenverantwortliche Arbeit mit Kindern und Ponys braucht es darüber hinaus praktische Erfahrung und persönliche Rückmeldung.

Aber woran lässt sich erkennen, ob eine Ausbildung all das tatsächlich vermittelt? Und welche Aussagekraft hat das Zertifikat am Ende?

Reitpädagogik oder Reitunterricht – was möchte ich später anbieten?

Bevor wir Ausbildungsangebote vergleichen, lohnt sich ein Blick auf das eigene Ziel.
Reitpädagogik und Reitunterricht verfolgen nicht zwangsläufig dieselben Schwerpunkte. Bei reitpädagogischen Angeboten stehen häufig die Begegnung mit dem Pony und die persönliche Entwicklung des Kindes im Vordergrund. Wer dagegen Reitunterricht anbieten möchte, muss Kinder darüber hinaus systematisch an das selbstständige Reiten heranführen können.

Bei HIPPOLINI unterscheiden wir deshalb zwei Ausbildungswege: Der HIPPOLINI Mini Coach konzentriert sich auf die Reitpädagogik im Vorschulalter. Die HIPPOLINI Lehrkraft verbindet pädagogische Förderung mit fundierter Reitlehre und begleitet Kinder auf ihrem Weg zum selbstständigen, pferdegerechten Reiten.

Je nach Ausbildungsziel unterscheiden sich also auch die Fähigkeiten, die vermittelt und später überprüft werden müssen.

Wer darf überhaupt an der Ausbildung teilnehmen?

Eine wichtige Qualitätsfrage stellt sich bereits vor Ausbildungsbeginn: Welche Kenntnisse und Fähigkeiten müssen die Teilnehmer mitbringen?

Bei HIPPOLINI richten sich die Zugangsvoraussetzungen nach dem jeweiligen Ausbildungsziel.
Für die Ausbildung zum HIPPOLINI Mini Coach sind Fachkunde, ein Erste-Hilfe-Nachweis und ein erweitertes Führungszeugnis erforderlich.
Wer HIPPOLINI Lehrkraft werden möchte, muss darüber hinaus reiterliche Qualifikationen in den Bereichen Reiten, Springen und Bodenarbeit nachweisen.
Denn hier gilt unser Grundsatz: Wer etwas unterrichtet, sollte es selbst beherrschen.

Fehlende reiterliche Qualifikationen können über entsprechende Check-ups und Qualifizierungsseminare des HIPPOLINI Instituts erworben werden.

Wer unterrichtet in der Ausbildung – und wie qualifiziert sind die Dozenten?

Die Qualität einer Ausbildung hängt wesentlich von den Menschen ab, die sie gestalten.

Bei HIPPOLINI unterrichten Dozentinnen mit hohen fachlichen Qualifikationen, darunter Pferdewirtschaftsmeister und Trainer C, B und A verschiedener Reitweisen (FN, EWU, IPZV). Ergänzt wird das Team durch Fachkräfte aus Pädagogik, Grundschullehramt, heilpädagogischer Förderung mit dem Pferd, Agrarwissenschaften, Betriebswirtschaft und Pferdegesundheit.

Darüber hinaus haben die HIPPOLINI-Ausbildungsdozentinnen nach ihrer Qualifikation als HIPPOLINI Lehrkraft eine zweijährige Ausbildung bei der Methodenbegründerin absolviert. Dazu gehören Supervision, Persönlichkeitsentwicklung, Kommunikationslehre und die vertiefte Auseinandersetzung mit dem HIPPOLINI-Konzept.
Denn Fachwissen allein macht noch keine gute Dozentin. Es kommt auch darauf an, wie Menschen beim Lernen begleitet werden.

Was passiert in den Präsenztagen und Hospitationen?

Beide HIPPOLINI Ausbildungen verbinden digitale Lerninhalte mit Präsenzseminaren und zehn Hospitationen bei erfahrenen HIPPOLINI Lehrkräften. Umfang und Inhalte richten sich nach dem späteren Tätigkeitsfeld.

Die Ausbildung zum HIPPOLINI Mini Coach umfasst zwei Lernvideos, vier Präsenztage zu Mini Club und Ponyausbildung sowie einen weiteren Präsenztag für individuelles Coaching.
In der Ausbildung zur HIPPOLINI Lehrkraft bereiten zwölf Lernvideos und acht Präsenztage auf die Arbeit mit Vorschul- und Grundschulkindern vor. Behandelt werden unter anderem Entwicklungspsychologie, Reformpädagogik, das HIPPOLINI-Konzept und seine Methode sowie die Angebote HIPPOLINI Mini Club und HIPPOLINI Kurse 1 und 2.

Bei den Hospitationen erleben die Teilnehmer vollständige Unterrichtseinheiten – von der Vorbereitung bis zur Verabschiedung der Kinder. Sie beobachten, wirken teilweise mit und reflektieren ihre Erfahrungen anschließend mit der jeweiligen Kollegin.
So lernen sie nicht nur das Konzept kennen, sondern erleben auch seine Umsetzung im betrieblichen Alltag.

Individuelles Coaching: Wie setze ich mein Angebot um?

Manche Teilnehmer möchten HIPPOLINI in eine bestehende Reitschule oder einen Reitverein integrieren, andere ein neues Angebot aufbauen.
Wie lässt sich der Unterricht mit den vorhandenen Ponys und Räumlichkeiten organisieren? Wie können Kurse kind- und ponygerecht gestaltet werden und zugleich wirtschaftlich attraktiv sein?

Für angehende Mini Coaches gibt es einen eigenen Coachingtag. In der Lehrkraft-Ausbildung werden diese Fragen während der acht Präsenztage im intensiven Coaching und im Austausch mit der Gruppe aufgegriffen.
Auch im Rahmen der Zertifizierung erhalten die Teilnehmer individuelle Rückmeldungen zu ihren Stärken und Entwicklungsmöglichkeiten.

Die Ausbildung soll damit nicht nur auf die Durchführung des Angebots vorbereiten, sondern auch auf seine Umsetzung im eigenen Betrieb.

Was wird bei der Zertifizierung überprüft?

Bei HIPPOLINI endet die Ausbildung nicht mit einer bloßen Teilnahmebestätigung. Die angehenden Mini Coaches und Lehrkräfte müssen zeigen, dass sie das Gelernte auch praktisch anwenden können.

Zu den Leistungsnachweisen gehören eine Schwerpunktarbeit und ein Portfolio, in dem die Teilnehmer ihre Erfahrungen und ihre persönliche Entwicklung reflektieren.
Bei der praktischen Zertifizierung werden die Fähigkeiten überprüft, die für das jeweilige Ausbildungsziel erforderlich sind.

Beim HIPPOLINI Mini Coach stehen die Gestaltung eines kindgerechten Mini Clubs, der sichere und einfühlsame Umgang mit den Ponys sowie die eigene Führtechnik im Mittelpunkt.
Bei der HIPPOLINI Lehrkraft wird darüber hinaus die eigenständige Durchführung einer Unterrichtseinheit beurteilt. Dazu gehören unter anderem kindgerechte Erklärungen, Sicherheit, der Überblick über die Gruppe, der Umgang mit den Ponys und die Vermittlung der Führtechnik an die Kinder.

Die Zertifizierung erfolgt durch eigens geschulte Zertifizierungsbeauftragte (ZBA) des HIPPOLINI Verbands. Sie beobachten die praktische Arbeit anhand strukturierter Protokolle und geben individuelle Rückmeldungen.
So wird nicht nur überprüft, was die Teilnehmer wissen, sondern auch, wie sie mit Kindern und Ponys arbeiten.

Welche Rolle spielt der HIPPOLINI Verband?

Der HIPPOLINI Verband e.V. ist ein internationaler Zusammenschluss von Menschen, die qualifiziert sind, mit der HIPPOLINI-Methode zu arbeiten, sowie Menschen, die diese Methode und ihre Weiterentwicklung fördern möchten.
Er vertritt gemeinsame Qualitätsstandards und übernimmt die Zertifizierung der angehenden HIPPOLINI Mini Coaches und Lehrkräfte.

Das HIPPOLINI Institut ist für die Ausbildung zuständig. Der Verband ist rechtlich eigenständig und finanziert sich über Mitgliedsbeiträge. Beide Organisationen arbeiten fachlich zusammen. Erfahrungen aus den Zertifizierungen können in die Weiterentwicklung der Ausbildung einfließen.

Auch nach der Zertifizierung bleibt die fachliche Entwicklung wichtig: Mitglieder des HIPPOLINI Verbands sind zu regelmäßigen Weiterbildungen verpflichtet.

Nur Verbandsmitglieder dürfen das gemeinsame HIPPOLINI-Logo für ihre Angebote nutzen.
Für Eltern, Schulen, Fördervereine und andere Auftraggeber ist es damit ein sichtbares Zeichen: Hinter einem Angebot mit diesem Logo stehen eine HIPPOLINI-Qualifikation, verbindliche Qualitätsstandards und die Verpflichtung zur regelmäßigen Weiterbildung.

Wo HIPPOLINI draufsteht, ist auch HIPPOLINI drin.

Sechs Fragen vor Deiner Ausbildungsentscheidung

Unabhängig davon, für welchen Anbieter Du Dich interessierst, lohnt es sich, genauer nachzufragen:

  1. Zugangsvoraussetzungen: Welche Kenntnisse und Fähigkeiten muss ich mitbringen? Werden fehlende Qualifikationen gezielt aufgebaut?
  2. Dozenten: Welche fachlichen Qualifikationen haben sie und wie wurden sie auf ihre Lehrtätigkeit vorbereitet?
  3. Ausbildungsinhalte und Praxis: Was lerne ich, wie wird es vermittelt und welche praktischen Erfahrungen sammle ich?
  4. Individuelles Coaching: Werde ich bei der Umsetzung meines späteren Angebots begleitet?
  5. Prüfung und Zertifizierung: Wer überprüft meine Fähigkeiten, nach welchen Kriterien und mit welchen praktischen Leistungsnachweisen?
  6. Qualität nach dem Abschluss: Gibt es verbindliche Weiterbildungen, gemeinsame Standards und erkennbare Qualitätsmerkmale?

Was ist ein Zertifikat also wert?

Ein Zertifikat allein sagt noch wenig über die Qualität einer Ausbildung aus. Entscheidend ist der gesamte Weg dorthin: von den Zugangsvoraussetzungen über qualifizierte Dozenten, fundierte Inhalte und praktische Erfahrung bis zur nachvollziehbaren Überprüfung der erworbenen Fähigkeiten.

Wer Ausbildungsangebote vergleicht, sollte deshalb nicht nur fragen, welchen Abschluss er erhält, sondern was er dafür tatsächlich lernen und können muss.

Denn am Ende geht es nicht um das Zertifikat an der Wand, sondern darum, Kinder und Ponys verantwortungsvoll begleiten zu können.


Unsere Blogserie: Was macht eine gute Ausbildung aus?

In Teil 1 haben wir uns mit den Möglichkeiten und Grenzen von Online-Ausbildungen beschäftigt und beleuchtet, warum persönliche Begegnung und praktische Erfahrung für die Arbeit mit Kindern und Ponys so wichtig sind.

Zu Teil 1: Online-Ausbildung für Reitpädagogen und Reitlehrer – ist das sinnvoll?

Wie HIPPOLINI theoretisches Lernen, praktische Erfahrung, individuelles Coaching und Zertifizierung verbindet, erfährst Du hier:

👉 Alle Informationen zur HIPPOLINI Ausbildung


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